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Sunday

2 No.2



Die Geschmacksrichtung Erdbeere erwies sich als weniger erfrischend, dennoch kaute er das Mentos, der attraktiven Unbekannten zuliebe.

Mit großen braunen Augen schaute sie zu ihm herab, er kniete noch. Ihre Augenbrauen formten ihr Gesicht zu einer besorgten Mime.
Er rang sich selbst eine Art Lächeln ab und machte den Versuch, langsam aufzustehen.
Er gelang.

Da stand er nun.

Er schaute sie an.

Für lange Zeit stand er schlicht da und versank in ihrem Blick.

Dann sagte etwas wie : "Ga" und ging.

Wednesday

no.13

Kurzer Hand sprang er aus dem fahrenden Zug. 
Er wollte nur noch den Fahrtwind und den Aufprall spüren, nichts fühlen, nur spüren, doch es kam, wie es kommen musste, er spürte nichts dergleichen und ward auf ewig dein, mein, unser.

Saturday

no. 12



Doch plötzlich trat ein Problem in sein Leben, von dem er es nie erwartet hätte. Er war Schaffner und nicht Steward. Er war sein Leben lang Zug gefahren, aber noch nie geflogen. Er entwickelte eine panische Angst vor dem Fliegen. Der Flug nach Dubai war bezahlt und er stand vor der Tür, aber ob die Reise stattfinden sollte, wurde immer ungewisser.

Tuesday

no.11

Der ganze Scheiß kotzte ihn an, er wollte nicht mehr denken, er wollte endlich machen. Sein Magen rumorte, sein Kopf schmerzte.
Er hatte einfach keinen Bock mehr, alles war karg und trist.
Seine müden Augen krochen förmlich über den Display seines Smartphones als er kurzfristig beschloss, ein Ticket nach Dubai zu buchen.
Er hasste die Wüste, aber er hatte gehört, in Dubai solle es eine astreine Skihalle geben.

Tuesday

no.9


All die Großstadtlimousinen, die auf ihn warteten, brachten ihn in Wallung.
Er fieberte dem Geruch der Messehalle entgegen.
Vor zwei Jahren hatte es dort nach Milch und Wasser und voriges Jahr nach Watte und Stahl gerochen.
Er erinnerte sich gern daran, denn im Grunde war er doch ein recht sinnlicher Mensch.
Den Spiegel fest umklammert lauschte er den Rhythmen des Zuges, schloss die Augen und sinnierte gedanklich über die Dichte von Toastbrot.

Thursday

no. 8


Amsterdam

Seine dritte Leidenschaft - nach ihm selbst und Zügen der Reihe nach- waren Autos, deutsche Autos. Deshalb war Wolfsburg sein Lieblingsziel. Der erste Schritt in diese Stadt und er hatte sie vollkommen aus seinem Gedächtnis gelöscht.
Das einzige, das er auf seinen Reisen vermisste war das große Portrait seiner selbst, das in seinem Bad hing (okay, im Schlafzimmer hing auch eines). Aber zum Glück wurde der Spiegel erfunden.

Wednesday

no.7



"Verdammt, jetzt sei nicht immer so schrecklich fern!", sagte sie immer, wenn sie ihn bei sich hatte.
Er sah nur sich und den Zug, nichts konnte ihn aufhalten. Einen Fuß auf dem Steig, für sie nur einen leeren Blick.
Sie hing an ihm, das wusste er.
Er wickelte seine Kaugummizigarette aus, schob sie sich lässig in den Mund, sagte mit seiner verruchtesten Stimme: "Sayonara, Süße." und stieg ein in Richtung Wolfsburg.

no. 6


Er selbst sah alles aus seiner Perspektive und sah darin kein Problem bestehen. Seine Perspektive war die richtige, er dachte nicht im Traum daran, dass es eine andere geben konnte. Warum auch? Seine war gut: Er stand im Mittelpunkt der Erde, er war der bestaussehendste Mann der Welt und ohne Zweifel auch der beste Liebhaber, den sowohl Frau als auch Mann sich vorstellen kann. Einige Menschen waren zu ertragen, aber die meisten waren einfach.... einfach nicht er.

Friday

no.5



























Er wusste immer, was, wie, wo und wann zu tun war. Er hatte Ahnung und  war nicht bescheiden. Wer konnte ihm schon das Wasser reichen? Er hatte alles gesehen, ist überall gewesen.
In seiner überschwänglichen Selbstliebe vergaß er meist, dass er Schaffner war. Er wusste, wie Erdbeeren schmeckten und wie sich Latex anfühlte, doch wusste er nicht, wie es war, aus einer anderen Sicht gesehen zu werden. Nein, dies wusste er nicht.

Fortsetzung folgt

Thursday

no. 4


Erfüllt mit dem Gefühl des Stolzes setzte er einen Schuh vor den anderen, sein Kinn war mindestens einen Meter weiter oben als bei anderen vergleichbaren. Es fiel ihm nicht ein, zu stolpern, gar zu fallen, er wusste detailliert, was er zu tun hatte. Er hatte den höchsten Berg erklommen und das tiefste Wasser betaucht, er war im Norden gewesen, auch im Süden, Osten und Westen.

Fortsetzung folgt

Wednesday

no.3


Fragte man ihn nach seiner Laune, so lächelte er nur. Er war ein Mensch, der es genoss, zu sein, wer er war. Er präsentierte wild und immer alles, was ihn reizte. Langeweile fand bei ihm, dem guten und adretten, niemals Akzeptanz. Er schlenderte tagein tagaus um das lange und weilige graue Feld herum, sehr wohl darauf bedacht, es niemals zu berühren.

Fortsetzung folgt

Tuesday

no. 2


Leopardenfellstiefel und eine Mischung aus Breackdance, Ballet und Tango, dazu furchterregende Gesichtsausdrücke und ein Himmel voll von Himmbeergelee. Das Zusammenspiel all dieser Tatsachen musste ihn dazu gebracht haben, diesen schrecklichen, unverzeihlichen Fehler zu begehen. Er balancierte den Locher auf dem einen Arm und das Ticket auf dem anderen - er war der Fahrer und der ist der Star.

Fortsetzung folgt

Monday

erzählung no. 1


Eines Nachts wollten es die Umstände, dass ein unglückseliger Zufall den Schaffner eines Zuges dazu brachte, das Ticket eines Fahrgastes furchtbar falsch und töricht zu lochen. Törichtes Lochen ist indes so zu verstehen, als dass das Lochprozedere absolut und unglaublich dämlich vonstatten ging.

Fortsetzung folgt